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20.09.2026 · 04:58 UTC
Wissen

Krypto-Steuer erst bei der Auszahlung? Nein — was wirklich zählt, in Deutschland und Österreich

· 4 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Nein. Die Überweisung von der Börse aufs Bankkonto löst weder in Deutschland noch in Österreich eine Steuer aus. Entscheidend ist der Verkauf oder Tausch: In Deutschland zählt schon der Tausch in eine andere Kryptowährung, wenn er innerhalb eines Jahres nach dem Kauf passiert. In Österreich ist dieser Tausch steuerneutral — dort wird es beim Umtausch in Euro oder beim Bezahlen mit Krypto ernst, nicht erst bei der Auszahlung.

Die Vorstellung ist bequem: Solange das Geld auf der Börse liegt, ist es noch nicht „da", also auch nicht zu versteuern. Sie stimmt nicht — weder in Deutschland noch in Österreich.

Was die Steuer auslöst, ist nicht die Überweisung aufs Bankkonto. Es ist der Moment, in dem du etwas verkaufst oder eintauschst. Wo das Geld danach liegt, spielt keine Rolle.

Nur: Welcher Tausch zählt, ist in beiden Ländern verschieden. Und genau daher kommt der Irrtum.

Die kurze Übersicht#

VorgangDeutschlandÖsterreich
Bitcoin gegen Euro verkaufensteuerpflichtig, wenn innerhalb eines Jahres nach dem Kaufsteuerpflichtig (27,5 %), außer Altvermögen
Bitcoin gegen eine andere Kryptowährung tauschensteuerpflichtig, wenn innerhalb eines Jahressteuerneutral
Mit Bitcoin bezahlensteuerpflichtig, wenn innerhalb eines Jahressteuerpflichtig
Euro von der Börse aufs Bankkonto überweisennichtsnichts
Bitcoin auf die eigene Wallet übertragennichtsnichts

Die letzten beiden Zeilen sind die, nach denen gefragt wird. Eine Auszahlung ist nur ein Umzug deines Geldes. Versteuert wird, was vorher passiert ist.

Deutschland: der Tausch zählt, auch ohne Euro#

In Deutschland gilt § 23 EStG, das private Veräußerungsgeschäft. Jede Veräußerung innerhalb eines Jahres nach dem Kauf ist steuerpflichtig — und dazu gehört nicht nur der Verkauf gegen Euro, sondern auch der Tausch in eine andere Kryptowährung und das Bezahlen mit Krypto.

Daraus entsteht die teuerste Folge des Irrtums: Wer innerhalb eines Jahres häufig zwischen Coins tauscht, erzeugt Gewinne, die zu versteuern sind, ohne je einen Euro gesehen zu haben. Die Steuer ist dann fällig, obwohl auf dem Bankkonto nichts angekommen ist.

Nach einem Jahr Haltedauer ist die Veräußerung steuerfrei — egal, ob du danach auszahlst oder nicht. Dazu kommt eine Freigrenze von 1.000 Euro Gewinn im Jahr. Die Einzelheiten stehen unter Bitcoin und Steuern in Deutschland, das Datum rechnet der Haltefrist-Rechner.

Österreich: näher am Irrtum, aber auch nicht ganz#

In Österreich klingt die Faustregel „erst wenn Euro herauskommen" fast richtig — und das ist der Grund, warum sie sich hält.

Laut Finanzministerium ist der Tausch von Kryptowährung in Kryptowährung kein Veräußerungsvorgang. Bitcoin gegen Ethereum löst also keine Steuer aus, die Anschaffungskosten wandern mit.

Steuerpflichtig ist dagegen:

  • der Umtausch in Euro oder eine andere Währung, etwa US-Dollar
  • der Tausch gegen Waren oder Dienstleistungen, also das Bezahlen mit Krypto

Das Steuerereignis ist also der Umtausch in Euro, nicht die Überweisung dieser Euro aufs Bankkonto. Wer im Dezember in Euro tauscht und im Januar auszahlt, versteuert im alten Jahr.

Der Satz ist 27,5 Prozent, eine Haltefrist gibt es nicht — mit der großen Ausnahme des Altvermögens, das vor dem 1. März 2021 gekauft wurde. Bei einem österreichischen Anbieter zieht die Börse die Steuer seit 2024 selbst ab. Mehr unter Bitcoin und Steuern in Österreich.

Das Jahr: Verkauf, nicht Auszahlung#

In beiden Ländern gehört der Gewinn in das Jahr, in dem der steuerpflichtige Vorgang passiert ist.

Ein Beispiel für Deutschland: Du kaufst im März 2026, verkaufst im November 2026 mit Gewinn und lässt die Euro bis Februar 2027 auf der Börse. Der Gewinn gehört in die Erklärung für 2026. Dass die Euro erst 2027 auf deinem Konto ankommen, ändert daran nichts.

Erträge: Staking und Verleihen#

Bei laufenden Erträgen gibt es gar keinen Verkauf, und trotzdem kann Steuer entstehen:

  • Deutschland: Erträge aus Staking und Verleihen sind im Moment des Zuflusses als sonstige Einkünfte zu erfassen — auch wenn du sie nie verkaufst.
  • Österreich: Zinsen aus dem Verleihen werden ebenfalls beim Zufluss besteuert. Kryptowährungen aus klassischem Staking, also aus der Mitwirkung an der Transaktionsverarbeitung, zählen laut Finanzministerium dagegen nicht zu den laufenden Einkünften.

Mehr dazu unter Krypto-Lending und Steuern.

Was du daraus mitnimmst#

Die Frage „Wann muss ich zahlen?" lässt sich nicht an der Auszahlung festmachen, sondern nur an deinen Käufen, Verkäufen und Tauschvorgängen — mit Datum und Preis. Deshalb lohnt es sich, sie laufend festzuhalten, statt am Jahresende aus Kontoauszügen zu rekonstruieren. Wo du sie bei einer Börse findest, steht zum Beispiel unter Coinbase-Steuerreport.

Was am Ende zu versteuern ist, rechnet der Krypto-Steuerrechner. In welche Zeilen der Erklärung das gehört, steht unter Steuererklärung: die Formulare.

Quellen: BMF Österreich, „Steuerliche Behandlung von Kryptowährungen" (Stand 1. Jänner 2026); § 23 EStG und die Einordnung in Bitcoin und Steuern in Deutschland. Dieser Text ist keine Steuerberatung.

Keine Anlageberatung. Dieser Text erklärt, wie etwas funktioniert — er sagt nicht, was du kaufen sollst. Alle Angaben ohne Gewähr.
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