
Paper Wallet einlösen: erst nachsehen, dann fegen
Eine Paper Wallet ist ein Blatt mit zwei Zeichenketten: einer öffentlichen Adresse und einem privaten Schlüssel. Die Adresse darfst du überall eingeben, den Schlüssel nirgends — außer in deine eigene Wallet. Erst sieht man im Blockchain-Betrachter nach, ob überhaupt etwas darauf liegt. Dann fegt man alles in einer Überweisung auf eine eigene Adresse, statt den Schlüssel zu importieren. Danach ist der Zettel leer und bleibt es.
Ein Blatt aus einer Schublade, ein alter Ausdruck, ein Geschenk mit zwei QR-Codes darauf. Oben eine Adresse, unten ein „Private Key", vielleicht ein Klebestreifen darüber.
Der erste Impuls ist, die lange Zeichenkette irgendwo einzutippen und zu sehen, was passiert. Genau dieser Schritt kann die Coins kosten.
Zuerst nachsehen, dann erst den Schlüssel anfassen. Die Reihenfolge ist der ganze Trick.
Was auf dem Zettel steht#
Eine Paper Wallet besteht aus zwei Teilen, und sie sind so ungleich, wie zwei Dinge auf einem Blatt nur sein können.
| Auf dem Zettel | Woran du es erkennst | Was du damit tun darfst |
|---|---|---|
| Öffentliche Adresse | beginnt mit 1, mit 3 oder mit bc1 | überall eingeben, zeigen, abfotografieren |
| Privater Schlüssel | ein Block aus Buchstaben und Ziffern, etwa als „Private Key" oder „WIF" beschriftet | nur in deine eigene Wallet eingeben, sonst nirgends |
| Verschlüsselter Schlüssel | beginnt mit 6, 58 Zeichen lang | wie der Schlüssel — plus das Passwort dazu |
Die Adresse ist der Briefkasten, der Schlüssel öffnet ihn. Aus dem privaten Schlüssel wird die Adresse berechnet, umgekehrt geht es nicht. Wer den Schlüssel hat, hat die Coins — nicht wer das Blatt hat.
Die drei Anfangszeichen der Adresse sind drei Generationen desselben Systems; welche wofür steht, erklärt bc1, 3 oder 1. bc1 gibt es erst seit 2017 — ein Ausdruck von davor trägt eine Adresse mit 1 oder 3.
„WIF" heißt Wallet Import Format. Dahinter steckt eine Base58Check-Zeichenkette: der rohe Schlüssel, davor ein Versionsbyte, dahinter eine Prüfsumme. Ein Tippfehler fällt deshalb auf, bevor Geld unterwegs ist — wie bei Adressen.
Erst das Guthaben prüfen, ohne den Schlüssel zu berühren#

Ob auf dem Zettel etwas liegt, steht in der Blockchain, und dafür braucht es nur die Adresse. Sie ist öffentlich. Jeder, der sie kennt, kann das Guthaben sehen, und genau deshalb darfst du sie bedenkenlos eingeben.
Tippe die Adresse zuerst in Adresse prüfen — das Werkzeug rechnet die Prüfsumme nach und sagt dir, ob du richtig abgelesen hast. Dann gibst du sie in einen Blockchain-Betrachter wie mempool.space ein. Dort stehen Guthaben und alle Ein- und Ausgänge, die es je gab.
Drei Ergebnisse sind möglich:
| Der Betrachter zeigt | Was es heißt |
|---|---|
| Guthaben größer als null | es liegt etwas darauf — weiter unten geht es um den Weg heraus |
| Eingänge, aber Guthaben null | jemand hat den Zettel schon eingelöst, vielleicht du selbst vor Jahren |
| gar keine Überweisung | auf diese Adresse wurde nie etwas gesendet |
Der private Schlüssel kommt in diesem Schritt nicht vor. Eine Seite, die zum Prüfen des Guthabens den Schlüssel verlangt, braucht ihn nicht für die Prüfung. Sie braucht ihn, um die Coins zu haben. Das gilt auch, wenn sie „Paper Wallet Check" heißt und seriös aussieht.
Fegen oder importieren#
Wer den Schlüssel in eine Wallet bekommt, hat zwei Wege — und sie klingen ähnlicher, als sie sind.
| Fegen (Sweep) | Importieren | |
|---|---|---|
| Was passiert | eine Überweisung schickt alles von der alten Adresse auf eine Adresse deiner Wallet | die Wallet nimmt den alten Schlüssel in ihren Bestand auf |
| Wo die Coins danach liegen | in deiner Wallet, unter deinen Wörtern | weiter auf der Adresse vom Zettel |
| Gebühr | ja, eine Überweisung | keine |
| Wer danach noch Zugriff hat | nur du | jeder, der den Zettel je gesehen oder kopiert hat |
| Deine Sicherung | bleibt, wie sie ist | muss neu gemacht werden |
Fegen ist der saubere Weg. Die Dokumentation der Desktop-Wallet Electrum beschreibt es so: Fegen heißt, alle Bitcoin, die ein Schlüssel kontrolliert, an eine Adresse der eigenen Wallet zu senden — „die privaten Schlüssel, die du fegst, werden nicht Teil deiner Wallet". Danach hängt nichts mehr an dem Zettel.
Beim Importieren bleibt der Zettel scharf. Wer ihn ausgedruckt, fotografiert oder vor dir gefunden hat, hat denselben Schlüssel wie du. Und die Referenzsoftware Bitcoin Core schreibt zum Importieren eines Schlüssels: „Requires a new wallet backup" — deine Wörter decken den fremden Schlüssel nicht ab.
Dazu kommt die Wechselgeld-Falle. Gibst du nach einem Import nur einen Teil aus, geht der Rest als Wechselgeld an eine neue Adresse deiner Wallet — nicht zurück auf den Zettel. Wer den Ausdruck danach für eine Sicherung hält, sichert eine leere Adresse. Wie das Wechselgeld entsteht, steht in Bitcoin-Wechselgeld.
Wie das Fegen abläuft#

- Eigene Wallet zuerst. Du brauchst eine Wallet mit gesicherten Wörtern, in die gefegt werden kann. Wie die Einrichtung aussieht, steht in Hardware-Wallet einrichten; eine Software-Wallet geht genauso, wenn du die Wörter gesichert hast.
- Die Funktion finden. Sie heißt Sweep, Private Key fegen oder Paper Wallet einlösen, je nach App. Bei Electrum liegt sie laut Dokumentation unter Wallet → Private Keys → Sweep. Nicht jede Wallet hat sie.
- Schlüssel eingeben. Abtippen oder den QR-Code mit der Wallet-App scannen — mit der App, nicht mit der Kamera-App und einer Webseite dazwischen.
- Zieladresse stehen lassen. Die Wallet setzt eine eigene Adresse ein. Das ist richtig so.
- Gebühr wählen und senden. Danach heißt es warten, wie bei jeder Überweisung: Bestätigungen.
Die Gebühr kommt aus dem Guthaben auf dem Zettel. Sie ist die Differenz zwischen dem, was auf der alten Adresse lag, und dem, was bei dir ankommt. Bei einem sehr kleinen Guthaben kann sie den größten Teil davon ausmachen. Was eine Überweisung gerade kostet, rechnet der Gebührenrechner; wann es billiger ist, steht in Wann sind die Gebühren am günstigsten?.
Es eilt nicht. Der Zettel hat Jahre gewartet, er wartet auch bis zu einem ruhigen Wochenende mit niedrigen Gebühren — solange niemand sonst den Schlüssel kennt.
Wenn der Schlüssel mit 6 beginnt#
Dann ist er verschlüsselt. Das Verfahren heißt BIP38 und ist genau für diesen Zweck gedacht: Der Standard sagt selbst, verschlüsselte Schlüssel seien „für Paper Wallets und physische Bitcoins" vorgesehen.
Ein BIP38-Schlüssel ist 58 Zeichen lang, beginnt mit 6 und ist ohne das Passwort wertlos — für dich wie für jeden Finder. Zum Entschlüsseln brauchst du beides: die Zeichenkette und die Passphrase, die beim Erstellen gewählt wurde. Der Text der Spezifikation steht bei BIP 38.
Das Passwort ist nicht wiederherstellbar. Es gibt keine Stelle, die es kennt, und keine Wallet, die es umgeht. Wer den Zettel verschenkt bekommen hat, fragt den Schenker. Wer ihn selbst erstellt hat, sucht in den eigenen Unterlagen.
Beim Entschlüsseln gilt dasselbe wie beim Fegen: in der eigenen Wallet, nicht auf einer Webseite. Eine Seite, die BIP38 „bequem im Browser" entschlüsselt, hat danach Schlüssel und Passwort.
Wenn die Wallet nach dem Fegen null findet#
Der Betrachter zeigt Guthaben, die Wallet sagt nach dem Einlesen des Schlüssels „nichts gefunden". Das erschreckt, heißt aber noch nicht, dass etwas verloren ist.
Ein Schlüssel kann zu zwei Adressen gehören. Der öffentliche Schlüssel lässt sich in einer langen und einer verkürzten Form darstellen, und beide ergeben eine andere Adresse. Die Entwicklerdokumentation von bitcoin.org sagt es direkt: Der Hash der unverkürzten Form ist ein anderer als der Hash der verkürzten, „so the same key works with two different P2PKH addresses".
Welche Form gemeint ist, steht im Schlüssel selbst — ein angehängtes Byte kennzeichnet die verkürzte Form. Sucht die Wallet nur an einer der beiden Adressen, findet sie nichts, obwohl der Schlüssel stimmt.
Der Abgleich ist einfach: Vergleiche die Adresse, die die Wallet aus dem Schlüssel ableitet, mit der Adresse auf dem Zettel. Weichen sie ab, ist die Form die Ursache — dann brauchst du eine Wallet, die aus dem Schlüssel die andere Adresse ableitet. Dieselbe Sorte Fehlsuche gibt es bei Wörtern, nur mit anderen Ursachen: Wallet zeigt kein Guthaben.
Was danach mit dem Zettel ist#
Er ist verbraucht. Nach dem Fegen liegt auf seiner Adresse nichts mehr, und alles, was jemals wieder dorthin gesendet würde, gehört jedem, der den Schlüssel kennt. Das schließt jeden Rechner ein, auf dem er einmal erzeugt oder angezeigt wurde, und jede Kopie des Blatts.
Deshalb lässt man ihn nicht wieder befüllen — auch nicht „nur kurz", auch nicht als Geschenk an jemand anderen. Wer Bitcoin verschenken will, findet den Weg in Bitcoin verschenken.
Aufheben kannst du ihn als Erinnerung. Als Sicherung taugt er nicht mehr — und vorher hat er nur getaugt, solange niemand außer dir das Blatt gesehen hat. Was Papier heute noch für die Aufbewahrung leisten kann, steht in Cold Wallet.
Was nicht hilft#
Der Schlüssel in einer Webseite. Egal, was sie verspricht — Guthaben prüfen, Format erkennen, „Paper Wallet einlösen ohne Wallet". Das Guthaben steht an der Adresse, dafür braucht niemand den Schlüssel. Wer ihn trotzdem verlangt, will ihn haben.
Die Seed Phrase. Eine Paper Wallet hat keine Wörter, nur diesen einen Schlüssel. Wer dich beim Einlösen nach zwölf Wörtern fragt, meint deine neue Wallet — und die gehen niemanden etwas an, auch keinen „Support". Diese Seite fragt nie danach; warum, steht in Die Seed Phrase.
Ein Dienst, der es für dich erledigt. Wer anbietet, den Zettel gegen einen Anteil einzulösen, tut genau das, was oben in fünf Schritten steht — nur mit deinem Schlüssel in fremder Hand. Woran du solche Angebote erkennst, steht in Bitcoin-Betrug erkennen.
Der Aussteller. Wer den Zettel gedruckt oder verschenkt hat, kann nichts freischalten. Es gibt kein Konto dahinter — nur die Zahl auf dem Papier.
Was die Steuer dazu sagt#
Das Fegen auf die eigene Wallet ist ein Umzug zwischen eigenen Adressen, kein Verkauf; was daraus folgt, steht in Bitcoin auf die eigene Wallet übertragen. Wann ein späterer Verkauf steuerfrei wird, rechnet der Haltefrist-Rechner; die Rechtslage steht in Bitcoin-Steuern in Deutschland und in Österreich.


