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16.09.2026 · 04:40 UTC
Illustration: Ein kleines Geschenk mit orangefarbener Schleife steht vor einer Haustür; im halb geöffneten Karton liegt ein Schlüssel.
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Bitcoin verschenken: was steuerlich passiert und wie du überträgst

· 4 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Verschenken ist kein Verkauf — es löst keinen steuerpflichtigen Gewinn aus. In Deutschland gilt sogar mehr: Die Anschaffung des Schenkers wird dem Beschenkten zugerechnet, die einjährige Haltefrist läuft also weiter statt neu. Für die Schenkungsteuer gibt es Freibeträge von 500.000 € für Ehegatten und 400.000 € für Kinder, alle zehn Jahre neu. Österreich kennt keine Schenkungsteuer, verlangt aber ab 50.000 € unter Angehörigen eine Meldung binnen drei Monaten.

Ein Betrag zum Achtzehnten, ein Anteil an die Partnerin, etwas an die Kinder, bevor es der Nachlass regelt. Bitcoin zu verschenken ist technisch eine Sache von zwei Minuten — und genau deshalb passieren dabei Fehler, die später Geld kosten.

Der wichtigste Satz vorweg: Eine Schenkung ist kein Verkauf. Alles Weitere folgt daraus.

Warum das kein steuerpflichtiger Vorgang ist#

Besteuert wird der Gewinn aus einer Veräußerung. Wer verschenkt, veräußert nicht — es fließt kein Gegenwert. Also entsteht auch kein Gewinn, der zu versteuern wäre, ganz gleich wie weit der Kurs seit dem Kauf gestiegen ist.

Das ist der entscheidende Unterschied zu dem Weg, den die meisten instinktiv gehen: verkaufen, den Euro-Betrag überweisen, fertig. Dieser Weg löst genau das aus, was die Schenkung vermeidet — einen Steuervorgang beim Schenker.

Deutschland: die Haltefrist läuft weiter#

Hier steckt der Punkt, den kaum jemand kennt und der bares Geld wert sein kann.

Das Gesetz sagt zum unentgeltlichen Erwerb:

Bei unentgeltlichem Erwerb ist dem Einzelrechtsnachfolger für Zwecke dieser Vorschrift die Anschaffung oder die Überführung des Wirtschaftsguts in das Privatvermögen durch den Rechtsvorgänger zuzurechnen.

Im Klartext: Der Beschenkte übernimmt Kaufdatum und Anschaffungskosten des Schenkers. Die einjährige Haltefrist beginnt nicht neu, sie läuft weiter.

Ein Beispiel. Du hast im März 2024 gekauft und verschenkst heute an dein Kind. Für das Kind gilt der März 2024 als Anschaffung — es kann sofort steuerfrei verkaufen, weil das Jahr längst um ist. Hättest du selbst verkauft und den Erlös verschenkt, wäre das ebenfalls steuerfrei gewesen; hättest du aber erst im Juli 2026 gekauft, wäre der Unterschied erheblich.

Umgekehrt gilt das genauso: Frisch gekaufte Coins bleiben auch beim Beschenkten frisch. Verkauft er innerhalb des Jahres, ist der Gewinn bei ihm steuerpflichtig, gerechnet ab deinem Kaufkurs. Das gehört ins Gespräch, sonst gibt es später eine Überraschung.

Welches Datum jeweils gilt, rechnet der Haltefrist-Rechner aus; die Regeln im Ganzen stehen in Bitcoin und Steuern in Deutschland.

Deutschland: die Schenkungsteuer ist eine zweite, eigene Frage#

Davon zu trennen ist die Schenkungsteuer. Sie fragt nicht nach Gewinn, sondern nach dem Wert dessen, was übergeht. Die Freibeträge:

EmpfängerFreibetrag
Ehegatte oder eingetragener Lebenspartner500.000 €
Kinder400.000 €
Enkel200.000 €
Eltern und Großeltern100.000 €
Geschwister, Nichten, Neffen20.000 €
alle übrigen20.000 €

Diese Beträge stehen alle zehn Jahre neu zur Verfügung; Schenkungen innerhalb von zehn Jahren an dieselbe Person werden zusammengerechnet.

Für die allermeisten ist das damit erledigt. Wer aber einen größeren Bestand an jemanden außerhalb der Familie geben will, stößt schnell an die 20.000 € — und dann wird es teuer, weil in dieser Steuerklasse hohe Sätze gelten.

Österreich: keine Steuer, aber eine Meldung#

Österreich hat die Schenkungsteuer 2008 abgeschafft. Es fällt also nichts an — dafür gibt es eine Anzeigepflicht, und die wird gerne übersehen.

Gemeldet werden muss:

  • unter Angehörigen ab einem Wert von 50.000 € von derselben Person innerhalb von zwölf Monaten,
  • unter anderen Personen ab 15.000 € innerhalb von fünf Jahren.

Die Anzeige hat binnen drei Monaten ab dem Erwerb zu erfolgen. Verpflichtet sind Beschenkter und Schenker gleichermaßen.

Zur Ertragsteuer: Die unentgeltliche Übertragung ist auch hier keine Realisierung, und der Beschenkte führt die Anschaffungswerte des Vorgängers fort. Weil Österreich ohnehin keine Haltefrist kennt, ist die entscheidende Frage dort eine andere — nämlich ob es sich um Altvermögen von vor dem 1.3.2021 handelt. Das steht in Bitcoin und Steuern in Österreich.

Wie du überträgst, ohne die Wallet aus der Hand zu geben#

Jetzt der praktische Teil. Es gibt drei Wege, und nur einer davon ist meistens richtig.

Eine ganz normale Überweisung an die Adresse des Beschenkten. Das ist der saubere Weg. Der Beschenkte richtet eine eigene Wallet ein, nennt dir eine Empfangsadresse, du überweist. Danach gehört ihm, was dort liegt, und du hast keinen Zugriff mehr — genau das ist der Sinn einer Schenkung.

Nicht: deine Seed Phrase weitergeben. Das fühlt sich einfacher an und ist der schlechteste Weg. Ihr habt danach beide Zugriff auf denselben Bestand, keiner kann beweisen, wem was gehört, und wenn einer von euch die Wörter unglücklich lagert, trifft es beide. Warum die Wörter niemandem gezeigt werden, steht in Die Seed Phrase.

Nicht: eine fertig eingerichtete Wallet verschenken. Beliebt als Geschenkidee, aus demselben Grund ein Fehler — du hattest die Wörter in der Hand. Wenn es ein Gerät sein soll, dann eines, das der Beschenkte selbst einrichtet; die Fehlerquellen dabei stehen in Hardware-Wallet einrichten.

Was du dazuschreiben solltest#

Eine formlose Notiz, von beiden unterschrieben, mit Datum, Menge, Empfangsadresse und dem ursprünglichen Kaufdatum samt Kaufkurs.

Das ist keine Förmlichkeit. Der Beschenkte braucht dein Anschaffungsdatum und deine Anschaffungskosten, wenn er später verkauft — sonst kann er seinen eigenen Gewinn nicht berechnen und die Haltefrist nicht belegen. Ohne diese Zeile ist der steuerliche Vorteil, um den es oben ging, praktisch nicht nachweisbar.

Und wenn es nicht um eine Schenkung zu Lebzeiten geht, sondern um danach: Was passiert mit meinen Bitcoin, wenn ich sterbe?

Keine Anlageberatung. Dieser Text erklärt, wie etwas funktioniert — er sagt nicht, was du kaufen sollst. Alle Angaben ohne Gewähr.
Die bitinformer-Redaktion

Wir erklären Bitcoin für Leute, die gerade erst anfangen — ohne Vorwissen vorauszusetzen und ohne zu sagen, was du kaufen sollst. Die Zahlen auf dieser Seite kommen direkt aus dem Bitcoin-Netz und von CoinGecko; wo eine Quelle schweigt, steht ein Strich statt einer Schätzung.

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