Wann brauche ich einen Steuerberater für Krypto?
Für den einfachen Fall — gekauft, länger als ein Jahr gehalten, verkauft — reicht die eigene Steuererklärung. Beratung lohnt sich, sobald Tausch zwischen Coins, Staking, Auslandsbörsen, Verluste aus mehreren Jahren oder größere Beträge im Spiel sind. Die Kosten richten sich nach der Steuerberatervergütungsverordnung und sind vorher grob abschätzbar.
Auf dieser Seite steht oft der Satz: Was in deinem Fall gilt, sagt dir eine Steuerberaterin. Das ist ehrlich gemeint und trotzdem unbefriedigend — denn wann ist der eigene Fall so weit?
Hier ist die Antwort, so konkret wie sie geht.
Wann es ohne geht#
Ein Kauf, gehalten, nach mehr als einem Jahr verkauft. Das ist steuerfrei nach § 23 EStG, es gibt nichts einzutragen und nichts zu erklären. Für diesen Fall braucht niemand Beratung.
Ein Kauf, ein Verkauf innerhalb des Jahres, Gewinn unter der Freigrenze. Auch das bekommst du selbst hin — was die Freigrenze genau ist und warum sie kein Freibetrag ist, steht in Freigrenze oder Freibetrag.
Ein überschaubarer Sparplan mit sauberen Belegen. Mehrere Käufe, ein Verkauf, FIFO angewendet. Aufwendig, aber machbar — und dafür gibt es Werkzeuge.
Fünf Fälle, in denen sich Beratung rechnet#
1. Du hast Coins gegen Coins getauscht. Jeder Tausch ist steuerlich ein Verkauf plus ein Kauf — auch wenn nie ein Euro geflossen ist. Wer über ein Jahr hinweg zwischen mehreren Coins hin und her getauscht hat, hat Dutzende steuerlich relevante Vorgänge, und jede einzelne Haltefrist läuft eigenständig.
2. Staking, Lending oder Zinsen. Das sind andere Einkunftsarten als der Verkaufsgewinn, mit eigenen Regeln und eigenen Fristen. Hier wird es schnell technisch.
3. Verluste über mehrere Jahre. Sie sind nur mit Gewinnen derselben Art verrechenbar, und der Vortrag in Folgejahre muss beantragt werden. Wer das falsch macht, verschenkt Geld — siehe Krypto-Verluste in der Steuererklärung.
4. Auslandsbörsen und fehlende Belege. Wenn eine Börse dicht ist, den Sitz verlegt hat oder keine brauchbare Historie liefert, geht es um Schätzung und Nachweisführung. Das ist genau die Situation, in der eine Beraterin ihr Geld wert ist.
5. Größere Beträge. Es gibt keine Grenze im Gesetz, ab der Beratung Pflicht wäre. Aber es gibt eine praktische: Wenn ein Fehler in der Erklärung mehr kostet als das Honorar, ist die Rechnung eindeutig.
Was es kostet#
Steuerberaterhonorare richten sich nach der Steuerberatervergütungsverordnung. Die Gebühr bemisst sich am Gegenstandswert und an einem Zehntelsatz innerhalb eines Rahmens — das heißt für dich: Der Preis hängt an der Höhe deiner Einkünfte, nicht an der Zahl deiner Transaktionen.
Konkrete Beträge nennen wir hier nicht, weil sie vom Einzelfall abhängen und wir keine Honorare erhoben haben. Was du tun kannst: vorab nach einer Schätzung fragen. Seriöse Kanzleien nennen dir nach einer kurzen Schilderung eine Größenordnung, und viele bieten ein kostenloses Erstgespräch.
Wie du eine passende findest#
- Frag ausdrücklich nach Krypto-Erfahrung. Nicht jede Kanzlei hat sie, und § 23 EStG mit FIFO über mehrere Börsen ist nichts, was man nebenbei lernt.
- Bring deine Daten aufbereitet mit. Ein Steuerreport aus einem Tool spart Zeit und damit Geld. Welche das leisten, steht in Krypto-Steuer-Rechner und -Tools.
- Kläre vorher, wer die Daten prüft. Ein Report ist eine Rechnung, keine Prüfung — die Verantwortung für die Zahlen bleibt bei dir, solange niemand sie gegengelesen hat.
Ein Sonderfall, der gerade wichtig ist#
Die Regierung will die Haltefrist abschaffen. Solange kein Gesetzestext vorliegt, ist das kein Beratungsanlass — was Stand heute gilt und was nur geplant ist, steht in Krypto-Steuer 2026. Wer aber ohnehin größere Bestände hat, klärt bei der Gelegenheit gleich, welche Belege er für eine mögliche Stichtagsregelung braucht.
Dieser Beitrag ist keine Steuerberatung. Er erklärt, wann du eine brauchst — mehr nicht.