Günstige Krypto-Börse: worauf du wirklich achten musst
Beim Vergleich von Krypto-Börsen zählt nicht die Prozentzahl auf der Startseite, sondern die Summe aus vier Posten: Handelsgebühr, Spread beziehungsweise Aufschlag im Kurs, Einzahlungsgebühr und Auszahlung in Coins. Der Spread ist dabei der teuerste und der einzige, der nirgends ausgewiesen wird. Wer vergleichen will, rechnet einen konkreten Betrag durch, statt Tabellen zu lesen.
„0,1 Prozent Handelsgebühr" steht groß auf der Startseite. Was am Ende fehlt, sind zwei Prozent.
Das ist kein Betrug und meistens nicht einmal versteckt. Es liegt daran, dass die beworbene Gebühr nur einer von vier Posten ist — und selten der größte.
Die vier Posten#
1. Die Handelsgebühr. Der ausgewiesene Prozentsatz auf den Handelsbetrag. Der einzige Posten, der offen kommuniziert wird, und in der Regel der kleinste.
2. Der Spread. Die Spanne zwischen Ankaufs- und Verkaufskurs. Bei einem Broker steckt hier die eigentliche Marge, und sie taucht in keinem Preisverzeichnis auf — du siehst sie nur, wenn du den angebotenen Kurs mit dem Marktkurs vergleichst. Warum dieselbe Münze auf jeder Seite anders kostet, erklärt Warum zeigt jede Seite einen anderen Kurs.
3. Die Einzahlung. SEPA-Überweisung ist meist kostenlos, Kreditkarte und Sofortzahlung selten. Hier liegen bei kleinen Beträgen die schmerzhaftesten Prozentsätze.
4. Die Auszahlung in Coins. Wer aufs eigene Wallet überträgt, zahlt die Netzwerkgebühr — und bei manchen Anbietern zusätzlich eine pauschale Auszahlungsgebühr, die mit dem Netzwerk nichts zu tun hat. Was die Netzwerkgebühr selbst bestimmt, steht in Warum kostet eine Überweisung mal 20 Cent und mal 8 Euro.
Warum Posten 2 der wichtigste ist#
Weil er als einziger nicht in der Rechnung auftaucht, die du bekommst.
Ein Anbieter kann „0 Prozent Gebühren" bewerben und trotzdem teurer sein als eine Börse mit 0,25 Prozent — er nimmt das Geld dann eben über den Kurs. Die Zahl ist korrekt und die Aussage irreführend, weil sie eine unvollständige Rechnung als vollständige darstellt.
Der Test dauert eine Minute: Öffne den Kaufvorgang bis zur letzten Bestätigungsseite und vergleiche die Menge Coins, die du bekommst, mit dem, was der Betrag zum Marktkurs ergäbe. Die Differenz ist alles, was du zahlst — Gebühr, Spread und alles Übrige zusammen.
Der Vergleich, der wirklich funktioniert#
Nicht Tabellen lesen, sondern einen konkreten Fall durchrechnen. Nimm den Betrag, den du tatsächlich einsetzen willst.
| Frage | Wo du die Antwort findest |
|---|---|
| Was kostet die Einzahlung? | Preisverzeichnis, Abschnitt Zahlungsmethoden |
| Wie viele Coins bekomme ich für X Euro? | letzte Seite vor der Bestätigung |
| Was kostet die Auszahlung aufs Wallet? | Preisverzeichnis, oft getrennt vom Handel |
| Kann ich überhaupt Coins auszahlen? | Hilfeseite — manche Anbieter erlauben nur Rücktausch in Euro |
Die letzte Zeile ist keine Kostenfrage und trotzdem die wichtigste. Ein Anbieter, bei dem die Coins das Haus nie verlassen, ist billig auf eine Art, die dich später teuer zu stehen kommt.
Rechnen kannst du das mit der Gebührenübersicht hier auf der Seite; die Systematik hinter der Rechnung steht ausführlich in Was von zwanzig Euro ankommt.
Zwei Effekte, die den Vergleich kippen#
Kleine Beträge. Feste Gebühren schlagen bei 25 Euro Einsatz mit einem Vielfachen dessen zu Buche, was sie bei 2.500 Euro ausmachen. Wer per Sparplan kauft, muss deshalb anders vergleichen als jemand, der einmal im Jahr eine größere Summe anlegt — die Abwägung steht in Sparplan oder Einmalkauf.
Häufiges Handeln. Jede Handelsgebühr fällt zweimal an, beim Kauf und beim Verkauf. Bei einem Anbieter mit Maker-Taker-Modell lässt sich der Taker-Anteil oft sparen, indem man mit Limit-Order arbeitet statt zum Marktpreis zu kaufen — siehe BSDEX.
Billig ist nicht das einzige Kriterium#
Der günstigste Anbieter nützt nichts, wenn er im Streitfall nicht erreichbar ist. Bevor der Preis entscheidet, sollte die Zulassung stimmen: Woran erkenne ich eine seriöse Börse.
Und wenn ein Angebot deutlich günstiger ist als alle anderen, lohnt die Frage, womit der Anbieter dann Geld verdient. Meistens gibt es eine Antwort, und meistens steht sie nicht auf der Startseite.