Warum jede Seite einen anderen Bitcoin-Kurs zeigt
Bitcoin hat keine Börse, an der der Preis amtlich festgestellt wird. Jeder Handelsplatz führt sein eigenes Orderbuch, und jede Kursseite mittelt anders über diese Plätze. Dazu kommt die Umrechnung von Dollar in Euro und die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufspreis. Für dich zählt keiner dieser Werte, sondern der Preis, zu dem deine Order tatsächlich ausgeführt wird.
Zwei Fenster nebeneinander, zwei Kursseiten, zwei Zahlen. Die eine sagt 65.725 €, die andere ein paar hundert Euro daneben. Beide sind nicht falsch.
Der Grund ist einfacher, als er wirkt: Es gibt keinen amtlichen Bitcoin-Preis.
Es gibt keine Bitcoin-Börse#
Bei einer Aktie gibt es einen Heimatmarkt, an dem der Kurs festgestellt wird. Bitcoin hat das nicht. Er wird an dutzenden voneinander unabhängigen Handelsplätzen gehandelt, jeder mit eigenem Orderbuch, eigenen Teilnehmern, eigener Nachfrage.
Was du auf einer Kursseite siehst, ist deshalb immer eine Zusammenfassung — und wie zusammengefasst wird, ist eine Entscheidung:
- Welche Handelsplätze zählen mit? Zehn oder hundert?
- Werden sie gleich gewichtet oder nach Handelsvolumen?
- Wird der letzte Abschluss genommen oder ein Mittelwert über die letzten Minuten?
Zwei Anbieter, die sauber rechnen, kommen so zu unterschiedlichen Zahlen. Das ist kein Fehler, sondern die Folge davon, dass es nichts Amtliches gibt, auf das man sich beziehen könnte.
Die vier Ursachen, der Reihe nach#
Der Handelsplatz. Auf einem kleineren Markt kann Bitcoin kurzzeitig teurer oder billiger sein als auf einem großen. Händler gleichen das aus, aber nicht in Nullzeit.
Die Währung. Die meisten großen Plätze handeln gegen Dollar. Was du in Euro siehst, ist umgerechnet — mit welchem Wechselkurs, von welchem Zeitpunkt, entscheidet wieder die Kursseite.
Der Zeitpunkt. Eine Anzeige, die alle zehn Sekunden aktualisiert, steht neben einer, die es jede Sekunde tut. Bei einem Wert, der sich in Minuten um ein Prozent bewegen kann, reicht das für sichtbare Unterschiede.
Kauf oder Verkauf. Der wichtigste Punkt, und der am seltensten genannte: In einem Orderbuch gibt es nicht einen Preis, sondern zwei — den höchsten, den jemand zu zahlen bereit ist, und den niedrigsten, zu dem jemand verkauft. Dazwischen liegt der Spread. Kursseiten zeigen meist die Mitte. Kaufen kannst du zu dieser Mitte nie.
Welcher Kurs für dich zählt#
Keiner der angezeigten. Es zählt der Preis, zu dem deine Order ausgeführt wird, bei deinem Anbieter, in dem Moment, in dem du bestätigst.
Daraus folgt eine Rechnung, die eine Minute dauert und die niemand für dich macht:
- Den Kaufpreis beim Anbieter notieren.
- Den Marktpreis auf einer unabhängigen Kursseite daneben halten — etwa der Kurstafel dieser Seite.
- Die Differenz in Prozent ausrechnen.
Das ist dein tatsächlicher Aufschlag, unabhängig davon, was der Anbieter als „Gebühr" ausweist. Warum manche Anbieter mit null Prozent werben und trotzdem verdienen, steht in Börse oder Broker.
Warum das beim Sparplan besonders zählt#
Bei einem einmaligen Kauf fällt ein halbes Prozent kaum auf. Bei einem Sparplan kaufst du jeden Monat — und derselbe Aufschlag fällt jedes Mal an.
Ein Beispiel zum Nachrechnen: Bei 100 Euro monatlich sind 1,5 % Aufschlag 1,50 € pro Kauf, also 18 € im Jahr. Über zehn Jahre sind das 180 € — nicht an Kursverlust, sondern an Aufschlag. Was aus einem Monatsbetrag über die Jahre tatsächlich geworden wäre, rechnet der Sparplan-Rechner zurück.
Der Rechner nimmt dafür einen Referenzkurs, nicht den Preis deines Anbieters. Er kann also nicht wissen, was du wirklich gezahlt hast. Das ist keine Ungenauigkeit, die sich beheben ließe: Deinen Ausführungspreis kennt nur deine Abrechnung.
Was du dir merken kannst#
Eine Kursanzeige ist eine gute Orientierung und ein schlechter Beleg. Sie sagt dir, wo der Markt ungefähr steht — nicht, was du zahlen wirst.
Wer zwei Zahlen nebeneinander sieht und sich fragt, welche stimmt, stellt die falsche Frage. Die richtige lautet: Wie weit liegt der Preis meines Anbieters von beiden entfernt?

