Was passiert, wenn alle Bitcoins geschürft sind? Das Ende der 21 Millionen
Nichts bricht zusammen. Ab Block 6.930.000, rechnerisch um 2140, entstehen keine neuen Bitcoin mehr — die Menge bleibt bei 20.999.999,9769 BTC stehen. Am 20.10.2026 waren rechnerisch 20,1 Mio. davon geschürft, also 95,7 %. Miner leben danach nur noch von Gebühren. Ob die reichen, um das Netz so gut zu schützen wie heute, ist eine offene Frage. Für dich heißt das vor allem: Platz im Block wird zur Ware, für die man zahlt.
Die Frage klingt nach einem Stichtag, an dem etwas abgeschaltet wird. Den gibt es nicht. Das Ende der Ausgabe ist ein Auslaufen über mehr als hundert Jahre, und der größte Teil davon liegt schon hinter uns.
Zurzeit steht das Netz bei Block 972.791.
Wie viele Bitcoin gibt es heute?#
Am 20.10.2026 waren rechnerisch 20.100.684 BTC geschürft — 95,7 % der Endmenge. Die Zahl haben wir nicht abgeschrieben, sondern aus der Blockhöhe nachgerechnet: Laut mempool.space stand das Netz an dem Tag bei Block 972.218.
Die Rechnung ist kurz. Jeder Block bis 209.999 brachte 50 BTC, jeder bis 419.999 dann 25 BTC, und so weiter. Seit Block 840.000 im April 2024 sind es 3,125 BTC je Block. Summiert man die Stufen bis zur aktuellen Höhe, kommt man auf die Zahl oben.
Damit fehlen bis zur Grenze noch knapp 900.000 BTC. Sie verteilen sich auf mehr als ein Jahrhundert — weil jede Stufe nur noch halb so viel bringt wie die davor.
| Stufe endet bei Block | ungefähr | Belohnung je Block bis dahin | geschürft danach |
|---|---|---|---|
| 210.000 | 2012 | 50 BTC | 50 % |
| 420.000 | 2016 | 25 BTC | 75 % |
| 630.000 | 2020 | 12,5 BTC | 87,5 % |
| 840.000 | 2024 | 6,25 BTC | 93,75 % |
| 1.050.000 | 2028 | 3,125 BTC | 96,9 % |
| 2.100.000 | um 2048 | 0,0977 BTC | 99,9 % |
| 6.930.000 | um 2140 | 1 Satoshi | 100 % |
Die Jahreszahlen sind gerundet und setzen zehn Minuten je Block voraus. Wann das nächste Halving fällig ist, zeigt die Halving-Seite mit dem aktuellen Stand.
Warum es nicht ganz 21 Millionen werden#
Die Endmenge liegt bei 20.999.999,9769 BTC, nicht bei 21 Millionen. Der Grund steckt in der kleinsten Einheit: Bitcoin rechnet intern in Satoshi, einem Hundertmillionstel. Bruchteile davon gibt es nicht.
Bei jedem Halving wird die Belohnung halbiert und alles hinter dem Komma abgeschnitten. Ab Block 2.100.000 etwa sind das 4.882.812,5 Satoshi — gezahlt werden 4.882.812. Diese kleinen Reste summieren sich über alle Stufen zu den fehlenden 0,0231 BTC.
Wie die Halbierung selbst funktioniert, steht in Das Halving einfach erklärt. Hier geht es um das, was am Ende davon übrig bleibt.
Die letzte Stufe zahlt genau 1 Satoshi je Block, von Block 6.720.000 bis 6.929.999. Halbiert ergäbe das einen halben Satoshi — abgeschnitten null. Ab Block 6.930.000 entsteht nichts Neues mehr. Bis dahin fehlen knapp 6 Millionen Blöcke, bei zehn Minuten je Block rund 113 Jahre. Ob es ein paar Monate früher oder später wird, hängt am tatsächlichen Tempo der Blöcke.
Wie viele davon schon verloren sind#
Die Zahl, die tatsächlich jemand ausgeben kann, liegt deutlich darunter. Ein Teil ist technisch nie ausgebbar gewesen: die 50 BTC aus dem allerersten Block und 100 BTC aus zwei doppelt vergebenen Belohnungen von 2010.
Der größere Teil ist schlicht verloren — vergessene Passwörter, weggeworfene Festplatten, Erben ohne Zugang. Das Analysehaus Chainalysis schätzte 2020, dass zwischen 2,8 und 3,8 Millionen BTC wahrscheinlich nie mehr bewegt werden. Das ist eine Schätzung, keine Zählung. Von außen lässt sich nicht unterscheiden, ob jemand Coins verloren hat oder sie nur sehr lange liegen lässt.
Wer selbst eine alte Wallet sucht: Alte Bitcoin-Wallet finden zeigt, wo Spuren liegen können.
Wovon Miner danach leben#
Ein Miner bekommt für einen Block heute zwei Dinge: die neu erzeugten Coins und die Gebühren aller Überweisungen darin. Nach Block 6.930.000 bleibt nur der zweite Teil.
So hat es schon das Weißbuch von 2008 vorgesehen: Ist eine festgelegte Menge im Umlauf, soll der Anreiz ganz auf Gebühren übergehen.
Heute ist dieser Anteil winzig. In der Woche bis zum 20.10.2026 — Block 971.211 bis 972.218 — kamen laut mempool.space 17,0 BTC an Gebühren zusammen, gegen 3.150 BTC aus neuen Coins. Gebühren machten also rund 0,5 % der Einnahmen aus. Die Grundgebühr stand an dem Tag bei 1 Satoshi je vByte.
Dass Gebühren auch anders können, zeigte ausgerechnet der Halving-Block 840.000 am 20.04.2024: 37,6 BTC an Gebühren, zwölfmal so viel wie die Belohnung von 3,125 BTC. Ein einzelner Block mit Ansturm sagt aber nichts über den Durchschnitt.
Reicht das, um das Netz zu schützen?#
Das ist die ehrlichste offene Frage an Bitcoin, und sie hat einen Namen: das Sicherheitsbudget. Gemeint ist, wie viel Geld Miner verdienen und damit in Rechenleistung stecken. Je mehr Rechenleistung, desto teurer wäre es, die Kette umzuschreiben.
Die eine Seite sagt: Das wird knapp. Die Belohnung halbiert sich alle vier Jahre, die Gebühren liegen bei einem halben Prozent. Wachsen sie nicht deutlich, sinkt das Budget, mit ihm die Rechenleistung — und ein Angriff wird billiger. Forscher der Princeton University haben 2016 außerdem gezeigt, dass ein Netz ganz ohne Belohnung Anreize für Miner schafft, sich gegenseitig gebührenreiche Blöcke streitig zu machen.
Die andere Seite sagt: Dafür ist Zeit. Bis zum letzten Satoshi bleiben über hundert Jahre. Gebühren werden in Satoshi bezahlt, ihr Wert in Euro hängt am Kurs. Platz im Block ist begrenzt, und bei steigender Nachfrage steigt sein Preis. Systeme wie das Lightning Network bündeln viele Zahlungen in wenige, die dafür mehr Gebühr zahlen können.
Vorschläge, dauerhaft eine kleine Menge neuer Coins auszugeben, gibt es. Sie würden die Obergrenze brechen und bräuchten die Zustimmung fast aller Teilnehmer. Wer heute sagt, wie das ausgeht, rät. Belegbar ist nur der Zeitplan.
Was sich für dich ändert#
Am Tag selbst: nichts. Deine Coins bleiben gültig, Adressen und Wallets funktionieren weiter, Überweisungen laufen wie vorher.
Die Veränderung kommt schleichend, und sie läuft schon. Wenn Miner allein von Gebühren leben, wird Platz im Block zur Ware. Wahrscheinlich ist, dass eine Zahlung auf der Blockchain eher für größere Beträge taugt, während kleine über zweite Ebenen laufen. Sicher ist das nicht.
Was eine Überweisung gerade kostet, zeigt der Gebührenrechner: zurzeit etwa 0,10 € bei 1 sat/vB.
Hört Bitcoin dann auf zu funktionieren?#
Nein. Hier die drei häufigsten Missverständnisse:
„Am letzten Tag schalten die Miner ab." Es gibt keinen solchen Tag. Schon um 2100 bringt ein Block nur noch wenige hundert Satoshi an Belohnung — das Netz ist dann längst fast nur noch über Gebühren finanziert. Und wenn Miner aufhören, passt sich die Schwierigkeit an. Die übrigen finden die Blöcke weiter im gewohnten Takt.
„Wenn alle geschürft sind, ist Bitcoin ausverkauft." Kaufen heißt fast immer: von jemandem, der verkauft. Das funktioniert heute so und danach genauso. Weil jeder Bitcoin in 100 Millionen Satoshi teilbar ist, kauft man ohnehin Beträge, keine Stückzahl.
„Dann wird jemand einfach mehr erzeugen." Jeder Knoten im Netz prüft jede Belohnung nach. Ein Block, der mehr zahlt als erlaubt, wird abgelehnt — von allen, die die Regeln laufen lassen.
Mehr solcher Sätze, die sich hartnäckig halten, stehen unter Die 7 größten Bitcoin-Mythen.
Was hier nicht steht#
Viele Texte zu dieser Frage enden mit einem Satz über den Preis — kein Nachschub, also steigender Kurs.
Diese Seite macht keine Kursprognosen. Der Zeitplan ist seit 2009 öffentlich, nachrechenbar bis auf den letzten Satoshi. Was der Markt daraus macht, lässt sich nicht ausrechnen.