Wie viel Krypto gehört ins Portfolio?
Jede Prozentempfehlung für Krypto im Portfolio ist Konvention, nicht Rechnung: Ein Vermögenswert ohne Zahlungsstrom hat kein Bewertungsmodell, aus dem sich ein Anteil ableiten ließe. Die Zahl, die du stattdessen bestimmen kannst, ist der Rückgang, den du durchstehst. Aus den Monatskursen dieser Seite: dreimal seit 2016 lag der Rückgang vom Hoch bei 73, 70 und 48 Prozent. Wer den Anteil so wählt, dass er das aushält, hat die Frage beantwortet.
Auf diese Frage bekommt man Zahlen: ein Prozent, fünf Prozent, zehn. Manchmal mit Nachkommastelle, was den Eindruck von Berechnung erweckt.
Berechnet ist keine davon.
Warum sich keine Prozentzahl ableiten lässt#
Bei einer Aktie oder einer Anleihe gibt es einen Zahlungsstrom — Gewinne, Dividenden, Zinsen. Daraus lässt sich ein Wert schätzen, und aus dem Wert eine Gewichtung.
Bitcoin hat keinen Zahlungsstrom. Es gibt nichts abzuzinsen und damit kein Modell, das eine Zahl ausspuckt. Wer trotzdem eine nennt, nennt eine Konvention: „so klein, dass es nicht wehtut, und so groß, dass es sich lohnt". Das ist kein schlechter Gedanke, aber es ist eine Faustregel und keine Rechnung.
Die Zahl, die du bestimmen kannst#
Statt nach dem richtigen Anteil zu fragen, lässt sich von hinten rechnen: Welchen Verlust hältst du aus, ohne deine Pläne zu ändern — und ohne zu verkaufen?
Der zweite Teil ist der wichtigere. Ein Rückgang schadet nicht dadurch, dass er passiert, sondern dadurch, dass er zum Verkauf zwingt: weil das Geld gebraucht wird oder weil man es nicht mehr aushält.
Was tatsächlich passiert ist#
Keine Schätzung, sondern die Monatskurse dieser Seite, gerechnet vom Hoch bis zum tiefsten Punkt danach. Quelle sind die Monatsanfangskurse aus den Jahresverläufen:
| Vom Hoch | Zum Tief | Rückgang |
|---|---|---|
| Januar 2018 — 11.205 € | Februar 2019 — 3.003 € | −73 % |
| November 2021 — 52.576 € | Januar 2023 — 15.520 € | −70 % |
| Oktober 2025 — 101.072 € | Juli 2026 — 52.705 € | −48 % |
Der letzte Rückgang ist nicht Geschichte, sondern der Stand der Reihe im Juli 2026.
Zwei Einschränkungen, die die Zahlen eher zu klein machen: Es sind Monatsanfangskurse, die echten Hoch- und Tiefpunkte liegen dazwischen und weiter auseinander. Und zwischen Hoch und Tief lagen im ersten Fall dreizehn Monate, im zweiten vierzehn. Ein Rückgang dieser Art ist kein schlechter Tag, er ist ein schlechtes Jahr.
Die Rechnung von hinten#
Damit wird aus der Frage eine, die sich beantworten lässt. Angenommen, du hältst einen Rückgang von 70 Prozent für möglich — was die Reihe oben zweimal hergibt:
- 5 % des Vermögens in Krypto → im schlechten Fall sind 3,5 % des Gesamtvermögens weg.
- 20 % → 14 % weg.
- 50 % → 35 % weg, und die Frage ist nicht mehr, ob es wehtut, sondern ob Pläne platzen.
Die Zahl, die du suchst, ist die größte, bei der die rechte Spalte dich kaltlässt. Nicht die, bei der du hoffst, dass es nicht passiert.
Warum „ich halte einfach durch" selten stimmt#
Vorsätze werden im Ruhezustand gefasst und im Ernstfall geprüft. Was in der Prüfung tatsächlich zählt:
- Wird das Geld gebraucht? Ein Anteil, der für die Wohnung, das Auto oder den Notgroschen mitgeplant ist, ist kein Anteil, sondern ein Termin.
- Wie oft schaust du hin? Wer den Kurs täglich sieht, erlebt denselben Rückgang deutlich öfter als jemand, der zweimal im Jahr nachsieht.
- Wie bist du hineingekommen? Wer auf einmal gekauft hat, hat einen einzigen Einstiegskurs im Kopf, an dem sich alles misst. Über einen Sparplan verteilt sich das — dazu Sparplan oder Einmalkauf.
Und wenn der Anteil von allein wächst?#
Das ist der Normalfall bei einem Vermögenswert, der stark schwankt: Aus 5 Prozent werden nach einem guten Jahr 15, ohne dass du etwas getan hast. Dann ist die Frage von oben neu zu stellen — denn der Rückgang, den du aushalten müsstest, ist mitgewachsen.
Wer zurückschichtet, verkauft möglicherweise steuerpflichtig: Innerhalb der Jahresfrist zählt der Gewinn zu den privaten Veräußerungsgeschäften, und dort gilt eine Freigrenze von 1.000 Euro. Welche Tranche wann frei wird, zeigt der Haltefrist-Rechner.
Der häufigste Fehler#
Nicht ein zu hoher Anteil, sondern ein Anteil, der nie festgelegt wurde. Wer ohne Zielgröße kauft, hat auch keinen Maßstab dafür, wann genug ist — und merkt erst im Rückgang, wie groß die Position geworden war.
Die Prozentzahl selbst ist dabei zweitrangig. Dass es überhaupt eine gibt, ist der Punkt.
