Bitcoin oder ETF? Echte Coins gegen ein Wertpapier
Eigene Coins gehören dir und lassen sich überweisen; ein ETP ist ein Wertpapier auf den Kurs, mit dem du nichts bezahlen kannst. Echte Spot-ETFs gibt es in der EU nicht, nur ETPs. Die Wahl hängt an zwei Fragen: Willst du Bitcoin benutzen oder nur seinen Kurs? Und wo bist du steuerpflichtig — in Deutschland ist der Direktkauf nach einem Jahr steuerfrei, in Österreich nicht.
Es gibt zwei Wege, an der Kursentwicklung von Bitcoin teilzuhaben, und sie sind grundverschiedener, als die meisten annehmen.
Beim einen kaufst du Bitcoin. Danach gehören dir Coins, du hältst die Schlüssel dazu, und du kannst sie überweisen, ausgeben oder wegsperren.
Beim anderen kaufst du ein Wertpapier, dessen Kurs dem Bitcoin-Preis folgt. Danach gehört dir ein Anspruch gegen einen Emittenten. Du kannst ihn über die Börse wieder verkaufen — aber du kannst damit nichts bezahlen und nichts überweisen.
Beides kann richtig sein. Nur sollte man wissen, welches man kauft.
Was in Europa überhaupt zu haben ist#
Ein verbreitetes Missverständnis vorweg: In den USA gibt es seit 2024 echte Spot-Bitcoin-ETFs. In der EU gibt es die nicht.
Der Grund liegt in den UCITS-Regeln für Investmentfonds: Ein Fonds muss gestreut sein und darf nicht zu großen Teilen aus einem einzigen Vermögenswert bestehen. Ein Fonds, der nur Bitcoin hält, erfüllt das nicht.
Was es stattdessen gibt, sind ETPs beziehungsweise ETNs — börsengehandelte Schuldverschreibungen. Sie sind meist mit Bitcoin hinterlegt, der bei einem Verwahrer liegt, und bilden den Kurs ab. Rechtlich bleiben es aber Schuldverschreibungen: Wenn der Emittent zahlungsunfähig wird, bist du Gläubiger. Bei den seriösen Anbietern ist die Hinterlegung getrennt verwahrt und dieses Risiko klein — null ist es nicht.
„Bitcoin-ETF" ist im europäischen Sprachgebrauch also fast immer ein ETP. Das ist keine Wortklauberei: Der Unterschied ist genau die Frage, ob du Fondsanteile oder eine Schuldverschreibung hältst.
Die Unterschiede im Überblick#
| Eigene Bitcoin | ETP / ETN | |
|---|---|---|
| Was gehört dir | die Coins selbst | ein Anspruch gegen den Emittenten |
| Überweisen, bezahlen | ja | nein |
| Verwahrung | du, mit eigenen Schlüsseln | ein Verwahrer im Auftrag des Emittenten |
| Kosten | einmalig beim Kauf plus Netzgebühr | jährliche Gebühr, dauerhaft |
| Handelszeit | rund um die Uhr | Börsenzeiten |
| Wenn du den Zugang verlierst | Geld ist weg, endgültig | Depotbank stellt wieder her |
| Gegenparteirisiko | keines | Emittent und Verwahrer |
Die vorletzte Zeile wird oft übersehen und ist für viele die wichtigste. Selbstverwahrung heißt Freiheit und alleinige Verantwortung. Es gibt keine Hotline, die dir hilft, wenn die Wiederherstellungswörter weg sind.
Was die laufende Gebühr wirklich ausmacht#
Bei eigenen Coins zahlst du einmal beim Kauf. Beim ETP zahlst du jedes Jahr einen Prozentsatz des Bestands, unabhängig davon, ob der Kurs steigt oder fällt.
Bei den in Europa üblichen Sätzen zwischen etwa 0,15 und 1 Prozent im Jahr summiert sich das:
| Jährliche Gebühr | Nach 10 Jahren fehlen etwa |
|---|---|
| 0,15 % | 1,5 % des Bestands |
| 0,5 % | 5 % |
| 1,0 % | 10 % |
Bei einer langen Haltedauer ist das der größte Unterschied zwischen den beiden Wegen — größer als die einmaligen Kaufgebühren, über die meist geredet wird. Dem gegenüber steht, dass du beim ETP keine Zeit in Verwahrung, Sicherung und Wiederherstellungswörter steckst. Ob dir das den Betrag wert ist, ist eine ehrliche Rechnung, keine Glaubensfrage.
Steuern: der Punkt, an dem die meisten Ratgeber falschliegen#
Hier lohnt genaues Hinsehen, weil sich Österreich und Deutschland unterscheiden — und weil viele Texte einfach die deutsche Regel für beide Länder ausgeben.
Deutschland: Eigene Bitcoin fallen unter § 23 EStG (private Veräußerungsgeschäfte). Nach einem Jahr Haltedauer ist der Verkauf steuerfrei. ETPs werden dagegen in der Regel wie Kapitalerträge behandelt — Abgeltungsteuer, ohne Jahresfrist. Hier ist der Direktkauf bei langer Haltedauer steuerlich klar im Vorteil.
Österreich: Seit 1. März 2022 gilt § 27b EStG. Kryptowährungen sind Einkünfte aus Kapitalvermögen und werden mit 27,5 Prozent besteuert — ohne Haltefrist. Damit fällt der steuerliche Vorteil des Direktkaufs weg: Beide Wege landen beim selben Sondersteuersatz. Die Ausnahme betrifft nur Altbestände von vor dem 1. März 2021.
Wer also in Österreich eigene Coins kauft, weil er nach einem Jahr steuerfrei verkaufen will, hat sich das falsche Land als Vorlage genommen. Der Haltefrist-Rechner rechnet beide Rechtslagen durch. Er ersetzt keine Steuerberatung.
Die Fragen, an denen sich die Wahl entscheidet#
Statt einer Empfehlung — die niemand geben kann, der deine Lage nicht kennt — vier Fragen, deren Antworten den Weg meist von selbst zeigen:
Willst du Bitcoin benutzen oder nur seinen Kurs? Wenn du überweisen, mit Lightning zahlen oder unabhängig von einem Anbieter sein willst, kommt nur der Direktkauf infrage. Ein ETP kann das nicht, egal wie gut es ist.
Traust du dir die Verwahrung zu? Ehrlich beantwortet. Wiederherstellungswörter aufschreiben, sicher lagern, im Ernstfall wiederfinden — und das über Jahre. Wer sich das nicht zutraut, ist mit dem Wertpapier besser bedient als mit verlorenen Coins.
Wie lange willst du halten? Bei kurzer Haltedauer fällt die jährliche Gebühr kaum ins Gewicht. Über zehn Jahre schon.
Wo bist du steuerpflichtig? In Deutschland kann der Direktkauf nach einem Jahr steuerfrei sein. In Österreich nicht — dort ist die Steuer kein Argument für die eine oder andere Seite.
Wenn du dich für den Direktkauf entscheidest, geht es hier Schritt für Schritt weiter.
