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16.09.2026 · 04:40 UTC
Illustration: Links wirft hoher Wellengang ein kleines Ruderboot auf einem schmalen See umher, rechts liegt ein großes Schiff ruhig auf offenem Meer.
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Warum schwankt der Bitcoin-Kurs so stark?

· 3 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Es gibt keinen Wert, der den Kurs verankert: Bitcoin zahlt keine Zinsen, macht keinen Umsatz und hat keine Bilanz. Der Preis ist nur das, was gerade jemand zahlt — und weil das Angebot fest ist, wirkt jede Nachfrageänderung voll auf den Kurs statt auf die Menge. In zehn Jahren gab es vier Rückgänge von mehr als vierzig Prozent, zwei davon über siebzig. Das ist keine Ausnahme, sondern das normale Verhalten dieses Marktes.

Wer zum ersten Mal auf einen Bitcoin-Chart schaut, stellt zwei Fragen. Die zweite lautet: Warum geht das so hoch und runter?

Die erste — was er wohl morgen macht — beantwortet dieser Text nicht. Die zweite schon, und zwar mit Zahlen aus zehn Jahren statt mit Vermutungen.

Es gibt nichts, was den Preis festhält#

Bei einer Aktie kann man streiten, ob sie zu teuer ist, weil es etwas zu vergleichen gibt: Umsatz, Gewinn, Dividende, Buchwert. Selbst wenn der Kurs weit davon wegläuft, gibt es einen Bezugspunkt, zu dem er zurückfindet.

Bitcoin hat nichts davon. Keine Erträge, keine Bilanz, keine Geschäftsführung. Der Preis ist ausschließlich das, worauf sich Käufer und Verkäufer gerade einigen.

Das macht ihn nicht wertlos — es macht ihn unverankert. Wenn niemand sagen kann, was angemessen wäre, gibt es auch keine Kraft, die eine Bewegung bremst.

Das Angebot kann nicht mitwachsen#

Bei fast allem anderen wirkt hohe Nachfrage zweifach: Der Preis steigt, und es wird mehr produziert. Die Mehrproduktion dämpft den Preis wieder.

Bei Bitcoin fällt die zweite Hälfte weg. Es entstehen alle zehn Minuten neue Coins, und zwar eine im Voraus festgelegte Menge — egal ob der Kurs steigt oder fällt. Alle vier Jahre halbiert sie sich, das steht im Halving.

Deshalb landet jede Nachfrageänderung vollständig im Preis. Es gibt kein Ventil.

Dazu kommt: Ein großer Teil der vorhandenen Coins bewegt sich über Jahre nicht. Gehandelt wird nur ein schmaler Rest, und in einem schmalen Markt bewegen schon mittelgroße Aufträge den Kurs spürbar.

Vier Rückgänge, nachgemessen#

Reden über Schwankungen ist billig. Hier sind die tatsächlichen Rückgänge seit April 2016, jeweils vom Gipfel bis zum tiefsten Monat, bevor der Gipfel wieder erreicht wurde:

ZeitraumRückgang
Januar 2018 bis Februar 2019−73,2 %
November 2021 bis Januar 2023−70,5 %
Oktober 2025 bis Juli 2026−47,9 % (läuft noch)
April bis Juli 2021−43,3 %

Zwei Dinge stehen darin, die man selten zusammen liest.

Erstens: Über siebzig Prozent ist kein Ausreißer. Es ist zweimal in zehn Jahren passiert. Wer heute kauft, sollte einen solchen Verlauf nicht für undenkbar halten, sondern für den Normalfall dieses Marktes.

Zweitens: Der letzte Rückgang läuft noch. Wir stellen ihn bewusst nicht wie die anderen dar, denn ob er vorbei ist, weiß niemand — auch wir nicht. Der letzte Rückgang einer Reihe ist fast immer offen, und ihn wie einen abgeschlossenen zu zeigen wäre bereits eine Prognose.

Die Zahlen und der ganze Verlauf stehen auf der Kursseite; der Kurs liegt beim Erstellen dieser Seite bei 65.725 €.

Was die Bewegungen auslöst#

Der fehlende Anker erklärt, warum es so weit ausschlägt. Was den Ausschlag jeweils anstößt, ist banaler:

Zinsen und die allgemeine Risikolaune. Wenn sicheres Geld wieder Zinsen bringt, wird Riskantes unattraktiver — und Bitcoin ist im Zweifel das Riskanteste im Depot.

Regulierung und Nachrichten. Eine Zulassung hier, ein Verbot dort. Weil es keinen Bezugspunkt gibt, wirken solche Meldungen unmittelbar auf den Preis.

Gehebelte Positionen. Ein erheblicher Teil des Handels läuft auf Kredit. Fällt der Kurs, werden diese Positionen zwangsweise verkauft, was den Kurs weiter drückt und die nächsten auslöst. Das macht aus einem normalen Rückgang binnen Stunden einen Absturz — und in die andere Richtung genauso.

Sehr wenige, sehr große Halter. Ein einzelner Verkauf kann in einem dünnen Markt sichtbar werden.

Was man daraus praktisch macht#

Nicht: den richtigen Zeitpunkt suchen. Wer die vier Rückgänge oben ansieht, erkennt, dass sie im Nachhinein offensichtlich und im Moment selbst unlesbar waren.

Sondern zweierlei:

Den Zeitpunkt entschärfen statt erraten. Wer regelmäßig kleine Beträge kauft, kauft zwangsläufig auch teuer — aber eben nie ausschließlich teuer. Was das über zehn Jahre ergeben hätte, rechnet der Sparplan-Rechner mit den echten Monatskursen durch. Ob das zu dir passt, steht in Jeden Monat gleich viel — oder alles auf einmal?

Nur so viel einsetzen, dass ein Minus von siebzig Prozent aushaltbar bleibt. Nicht rechnerisch, sondern nachts um drei. Das ist die einzige Risikoregel, die in diesem Markt zuverlässig funktioniert.

Was der Kurs als Nächstes tut, sagen wir nicht — hier nicht und nirgends. Wer es dir sagt, verkauft dir etwas.

Keine Anlageberatung. Dieser Text erklärt, wie etwas funktioniert — er sagt nicht, was du kaufen sollst. Alle Angaben ohne Gewähr.
Die bitinformer-Redaktion

Wir erklären Bitcoin für Leute, die gerade erst anfangen — ohne Vorwissen vorauszusetzen und ohne zu sagen, was du kaufen sollst. Die Zahlen auf dieser Seite kommen direkt aus dem Bitcoin-Netz und von CoinGecko; wo eine Quelle schweigt, steht ein Strich statt einer Schätzung.

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