
Wie lange dauert ein Bitcoin-Block? Warum zehn Minuten nur ein Durchschnitt sind
Zehn Minuten je Block sind ein Zielwert aus Bitcoin Core, den das Netz alle 2.016 Blöcke über die Schwierigkeit nachstellt — für den einzelnen Block gilt er nicht. Blockfunde sind Zufall ohne Gedächtnis: Jeder zwanzigste Block lässt über eine halbe Stunde auf sich warten, jeder vierhundertste über eine Stunde, und wer schon 15 Minuten wartet, wartet im Mittel weitere zehn. Solange die Rechenleistung wächst, liegt der echte Durchschnitt sogar unter zehn.
Du hast gesendet, der Block-Explorer zeigt „0 Bestätigungen", und der letzte Block ist 25 Minuten her. Irgendwo hast du gelesen: alle zehn Minuten ein Block. Also stimmt etwas nicht?
Doch, alles stimmt. Nur der Satz, den alle abschreiben, ist unvollständig. Zehn Minuten sind ein Zielwert, den das Netz über 2.016 Blöcke hinweg im Mittel einhält — für den einzelnen Block gilt er nicht. Wie weit die Wirklichkeit vom Mittel abweicht, lässt sich ausrechnen. Genau das steht hier.
Woher die zehn Minuten kommen#
Im Weißbuch steht die Zahl nicht. Satoshi Nakamoto schreibt 2008 nur, die Schwierigkeit werde durch einen gleitenden Durchschnitt bestimmt, der eine durchschnittliche Zahl von Blöcken je Stunde anstrebt — und: Werden sie zu schnell erzeugt, steige sie (Weißbuch, Abschnitt 4).
Die zehn Minuten stehen im Programm. In Bitcoin Core, der Referenzsoftware, heißt der Wert nPowTargetSpacing und ist auf 10 * 60 Sekunden gesetzt. Daneben steht nPowTargetTimespan mit 14 * 24 * 60 * 60 Sekunden — zwei Wochen. Beides in der Datei src/kernel/chainparams.cpp, nachgelesen am 14.09.2026.
Die 2.016 sind keine dritte Zahl, sondern der Quotient. Zwei Wochen geteilt durch zehn Minuten ergibt 2.016, und so ist es in src/consensus/params.h auch definiert: Das Anpassungsintervall ist Zeitspanne geteilt durch Blockabstand. Alle 2.016 Blöcke sieht das Netz nach, wie lange die letzte Runde tatsächlich gedauert hat, und stellt die Aufgabe nach. Was dabei genau passiert, steht im Glossar unter Schwierigkeit.
Ein Riegel gehört dazu: Eine Anpassung darf die Aufgabe höchstens viermal schwerer oder viermal leichter machen (src/pow.cpp, Kommentar „Limit adjustment step"). Im Alltag greift er nie — die 26 Anpassungen des Jahres bis zum 14.09.2026 liegen zwischen −11,2 und +14,7 Prozent, nachgesehen in der Lage im Netz.

Warum ein Block nach zwanzig Sekunden kommt — oder nach einer Stunde#
Weil das Netz nicht taktet, sondern rät. Miner probieren Zahlen durch, und jeder Versuch ist ein Wurf mit einem Würfel, der Billionen Seiten hat. Ob der letzte Wurf danebenging, ändert am nächsten nichts. Kein Versuch weiß vom vorigen — was ein Versuch ist, steht unter Hash.
Ein Prozess ohne Gedächtnis hat eine bekannte Wartezeit. Besteht in jeder Sekunde dieselbe kleine Chance auf einen Treffer, folgt der Abstand zwischen zwei Treffern der Exponentialverteilung. Die Wahrscheinlichkeit, dass der nächste Block länger als t Minuten ausbleibt, ist dann e^(−t/10) — mit zehn als Mittelwert.
Die Annahme dahinter gehört offen dazu: Die Rechnung gilt für eine Rechenleistung, die sich innerhalb der Runde nicht ändert, bei fester Schwierigkeit. Beides trifft zwei Wochen lang ungefähr zu, nie genau.
Für eine halbe Stunde lautet die Rechnung e^(−30/10) = e^(−3) = 0,0498. Rund fünf Prozent aller Blöcke bleiben länger als 30 Minuten aus. Für eine Stunde: e^(−6) = 0,0025 — ein Block von vierhundert.
| Der nächste Block kommt … | Wahrscheinlichkeit | Rechnung |
|---|---|---|
| innerhalb von 1 Minute | 9,5 % | 1 − e^(−0,1) |
| innerhalb von 5 Minuten | 39 % | 1 − e^(−0,5) |
| innerhalb von 10 Minuten | 63 % | 1 − e^(−1) |
| erst nach 15 Minuten | 22 % | e^(−1,5) |
| erst nach 20 Minuten | 14 % | e^(−2) |
| erst nach 30 Minuten | 5,0 % | e^(−3) |
| erst nach 45 Minuten | 1,1 % | e^(−4,5) |
| erst nach 60 Minuten | 0,25 % | e^(−6) |
Bei 144 Blöcken am Tag heißt das: Etwa sieben Blöcke täglich brauchen über eine halbe Stunde, ungefähr alle drei Tage braucht einer über eine Stunde. Und rund 14 Blöcke am Tag folgen ihrem Vorgänger innerhalb einer Minute.
Der typische Block ist schneller als der Durchschnitt. Der Median liegt bei 10 · ln 2 = 6,9 Minuten: Die Hälfte aller Blöcke kommt in unter sieben Minuten. Die wenigen langen Wartezeiten ziehen das Mittel auf zehn hoch.
Wer „meistens zehn Minuten" erwartet, wird deshalb doppelt überrascht — oft geht es schneller, und dann plötzlich viel langsamer.
Die Wartezeit hat kein Gedächtnis#
Hier steckt die Eigenschaft, die beim Warten am meisten irritiert. Wer 15 Minuten auf den nächsten Block gewartet hat, wartet im Mittel weitere zehn. Nicht fünf, nicht „jetzt ist er aber überfällig". Zehn.
Die Rechnung ist kurz. Gesucht ist die Wahrscheinlichkeit, dass es länger als 25 Minuten dauert, wenn 15 schon vorbei sind: P(> 25) geteilt durch P(> 15) = e^(−2,5) / e^(−1,5) = e^(−1). Das ist genau P(> 10). Die bisherige Wartezeit hat sich herausgekürzt.
Ein Bus ohne Fahrplan, der trotzdem sechsmal in der Stunde kommt. So verhält sich das Netz. Ein Fahrplan an der Haltestelle wäre gelogen; ehrlich wäre nur ein Schild: „im Schnitt alle zehn Minuten, egal wie lange du schon hier stehst."

Was das für Bestätigungen und Gebühren heißt#
Eine Bestätigung ist ein Block, der auf deinem liegt. Warten auf Bestätigungen ist also Warten auf Blöcke — dieselbe Rechnung gilt weiter, nur mehrfach hintereinander.
| Du wartest auf | im Mittel | länger als | in etwa |
|---|---|---|---|
| 1 Bestätigung | 10 Minuten | 30 Minuten | 5 % der Fälle |
| 3 Bestätigungen | 30 Minuten | 60 Minuten | 6 % der Fälle |
| 6 Bestätigungen | 60 Minuten | 120 Minuten | 2 % der Fälle |
Die Zeilen für drei und sechs Blöcke sind Summen einzelner Wartezeiten, der Rechenweg ist derselbe mit einer Summe davor: P(3 Blöcke > 60 Minuten) = e^(−6) · (1 + 6 + 18) = 0,062. Wie viele Bestätigungen wofür reichen, steht in Wie viele Bestätigungen braucht eine Bitcoin-Überweisung? — das legt der Empfänger fest, nicht das Netz.
Das alles setzt voraus, dass dein Gebot reicht. Die Blockzeit sagt nur, wann der nächste Block kommt — nicht, ob deine Zahlung darin steht. Liegt deine Gebühr unter dem, was gerade hineinkommt, kannst du zehn Blöcke lang zusehen. Ob das so ist, zeigt der Gebührenrechner; was dann hilft, steht in Bitcoin-Transaktion hängt fest.
Daraus folgt eine brauchbare Regel. 25 Minuten ohne neuen Block sind kein Problem — das passiert bei jedem zwölften Block (e^(−2,5) = 8,2 %). Drei Blöcke vorbeiziehen sehen und immer noch unbestätigt sein ist dagegen keine Frage der Blockzeit mehr, sondern eine des Gebots.
Warum der Durchschnitt trotzdem unter zehn Minuten liegt#
Die Anpassung schaut zurück, nie nach vorn. Sie misst die vergangenen 2.016 Blöcke und setzt die Schwierigkeit so, dass diese Runde zehn Minuten je Block gedauert hätte. Kommt in der neuen Runde Rechenleistung hinzu, kommen die Blöcke schneller — und erst die nächste Anpassung weiß davon.
Die Rechnung dazu: Wächst die Rechenleistung während einer Runde um fünf Prozent, dauert ein Block im Mittel 10 / 1,05 = 9,5 Minuten, und die Runde ist nach 13,3 statt 14 Tagen vorbei. Die Anpassung erhöht dann um rund fünf Prozent — aber da ist die nächste Runde schon wieder schneller. Solange die Rechenleistung wächst, läuft das Netz seinem Ziel hinterher.
Das lässt sich an der Kette ablesen. Zwischen zwei Halvings liegen 210.000 Blöcke, planmäßig 1.458 Tage. Aus den Zeitstempeln der Halving-Blöcke, abgerufen bei mempool.space am 14.09.2026:
| Abschnitt | Dauer | Mittel je Block |
|---|---|---|
| Block 210.000 bis 420.000 (2012 bis 2016) | 1.319 Tage | 9,0 Minuten |
| Block 420.000 bis 630.000 (2016 bis 2020) | 1.402 Tage | 9,6 Minuten |
| Block 630.000 bis 840.000 (2020 bis 2024) | 1.439 Tage | 9,9 Minuten |
Je stärker das Wachstum, desto weiter unter zehn. Deshalb kam jedes Halving bisher früher als „alle vier Jahre"; wann das nächste fällig ist, steht auf der Halving-Seite.
Im Kleinen zeigen die letzten Runden dasselbe. Anpassungsdaten von mempool.space, abgerufen am 14.09.2026; das Mittel je Block ist der Zeitabstand zweier Anpassungsblöcke geteilt durch 2.016:
| Runde beendet am | Mittel je Block | Anpassung danach |
|---|---|---|
| 27.06.2026 | 9,3 Minuten | +7,2 % |
| 11.07.2026 | 10,5 Minuten | −5,0 % |
| 25.07.2026 | 10,1 Minuten | −0,7 % |
| 08.08.2026 | 9,9 Minuten | +1,0 % |
| 23.08.2026 | 10,2 Minuten | −1,3 % |
| 05.09.2026 | 9,9 Minuten | +1,3 % |
Runde zu schnell, Aufgabe schwerer; Runde zu langsam, Aufgabe leichter — in jeder Zeile. Die laufende Runde stand am 14.09.2026 nach 62 Prozent ihrer Blöcke bei 9,6 Minuten im Mittel; die Anpassung bei Block 967.680 geht nach diesem Stand rund vier Prozent nach oben.
Was du damit anfängst#
Sieh nicht auf die Uhr, sieh auf die Blöcke. Ob dein Warten normal ist, sagt nicht die Minute, sondern ob seit dem Absenden Blöcke gekommen sind. Die Höhe des letzten steht in der Lage im Netz; gerade ist Block 967.228 an der Reihe.
Plane mit dem Mittel, nicht mit dem Einzelfall. Wer eine Zahlung „in zehn Minuten" braucht, hat dafür eine Chance von 63 Prozent. Wer eine halbe Stunde einplant, verpasst noch jede zwanzigste. Erst mit einer Stunde und einer Gebühr, die für den nächsten Block reicht, liegt die Quote bei 99,75 Prozent.
Die Blockzeit kennt keine Tageszeit — der Andrang schon. Nachts kommen die Blöcke nicht schneller; was sich mit der Uhrzeit ändert, ist höchstens der Andrang um den Platz darin. Was das kostet oder spart, steht in Wann sind die Bitcoin-Gebühren am günstigsten?.
