
Warum ändert sich meine Bitcoin-Adresse jedes Mal?
Deine Wallet hat nicht eine Adresse, sondern eine durchnummerierte Reihe. Nach jedem Eingang rückt sie eine Position weiter und zeigt die nächste unbenutzte. Die alten bleiben unbegrenzt gültig: Wer eine davon gespeichert hat, kann dir weiter Geld schicken, und es kommt an. Alle zusammen ergeben ein Guthaben. Der Grund ist nicht Sicherheit, sondern Privatsphäre — die Blockchain ist öffentlich, und eine mehrfach benutzte Adresse verknüpft alles miteinander.
Du hast Bitcoin empfangen, alles hat geklappt. Beim nächsten Mal öffnest du die Wallet, und dort steht eine andere Empfangsadresse als vorher.
Der erste Gedanke ist fast immer derselbe: Ist die alte jetzt kaputt? Und was passiert mit dem Geld, das jemand dorthin schickt?
Nichts ist kaputt, und nichts geht verloren. Der Wechsel ist eingebaut, und die alte Adresse funktioniert weiter.
Was deine Wallet wirklich hat#
Eine Wallet verwahrt keine einzelne Adresse. Sie verwahrt einen Schlüssel, aus dem sich eine beliebig lange, durchnummerierte Reihe von Adressen berechnen lässt — und arbeitet diese Reihe von vorne nach hinten ab.
Sobald auf einer Adresse eine Zahlung eingegangen ist, gilt sie als benutzt. Die Wallet zeigt dir dann beim nächsten Mal die nächste, die noch nie etwas gesehen hat. Woher diese Reihe kommt, steht in Was ist ein Xpub?.
Die alten Adressen bleiben gültig#
Das ist der Punkt, an dem die meiste Unruhe entsteht, deshalb deutlich:
Eine benutzte Bitcoin-Adresse läuft nicht ab. Sie wird nicht gesperrt, nicht recycelt und nicht an jemand anderen vergeben. Wer sie vor zwei Jahren gespeichert hat und heute etwas dorthin schickt, landet bei dir — vorausgesetzt, du hast deine Wörter noch.
Das gilt auch für einen ausgedruckten QR-Code, eine Adresse in einer Rechnung oder einen Dauerauftrag bei einer Börse. Du musst nichts nachziehen.
Darf man dieselbe Adresse mehrmals benutzen? Technisch ja, und es geht nichts kaputt. Es kostet dich nur Privatsphäre — warum, steht ein paar Absätze weiter unten. Bei einem Dauerauftrag, der ohnehin läuft, ist das kein Drama. Für alles Neue nimm die frische.
Bei Hardware-Wallets ist es dasselbe#
Ledger, Trezor, BitBox, Coldcard: Alle machen es so, und alle bekommen dafür regelmäßig dieselbe Frage. Die zugehörige Software — Ledger Live, Trezor Suite — zeigt beim Empfangen jedes Mal die nächste unbenutzte Adresse, und das Gerät bestätigt sie auf seinem Bildschirm.
Genau dieses Bestätigen ist der Punkt, an dem viele stutzen: Auf dem Display steht eine andere Zeichenkette als beim letzten Mal. Sie muss anders sein. Was übereinstimmen muss, ist die Adresse auf dem Gerät mit der auf dem Bildschirm — nicht die von heute mit der von letzter Woche.
Ein Gerät zurückzusetzen und aus den Wörtern neu einzurichten ändert daran übrigens nichts. Die Reihe folgt aus den Wörtern, nicht aus dem Gerät; nach der Wiederherstellung steht die Wallet wieder an derselben Stelle.
Trotzdem ein Guthaben#
Die zweite häufige Sorge: Wenn das Geld auf zehn verschiedenen Adressen liegt, muss ich es dann zusammensuchen?
Nein. Die Wallet kennt alle Adressen ihrer Reihe, fragt für jede den Stand ab und zeigt dir die Summe. Beim Bezahlen sucht sie sich selbst zusammen, woher der Betrag kommt. Du siehst eine Zahl und gibst eine Zahl aus — die Aufteilung darunter ist Buchhaltung der Software.
Warum das überhaupt gemacht wird#
Nicht aus Sicherheitsgründen. Eine mehrfach benutzte Adresse ist nicht leichter zu knacken als eine frische.
Der Grund ist Privatsphäre, und er hängt daran, dass die Blockchain öffentlich ist. Jeder kann zu jeder Adresse nachsehen, was je darauf einging und was davon abfloss.
Benutzt du für alles dieselbe Adresse, entsteht daraus mit der Zeit ein vollständiges Kontobuch an einer einzigen Stelle: dein Arbeitgeber sieht, was dir sonst noch überwiesen wird, der Onlineshop sieht deinen Kontostand, der Bekannte, dem du zwanzig Euro zurückgezahlt hast, sieht alles andere gleich mit.
Eine frische Adresse je Eingang zerlegt dieses Kontobuch in Einzelteile. Es ist nicht unmöglich, sie wieder zusammenzusetzen — aber es ist Arbeit, statt ein Blick.
Wann es doch ein Problem wird#
Es gibt einen Fall, in dem der Adresswechsel etwas kostet, und den kennen die wenigsten.
Wallets suchen bei einer Wiederherstellung nicht unbegrenzt weit. Sie gehen die Reihe durch, und wenn sie hintereinander eine bestimmte Zahl unbenutzter Adressen finden — meist zwanzig —, hören sie auf. Man nennt das den Adressabstand, im Englischen gap limit.
Das ist im Alltag richtig so, weil sonst jede Wiederherstellung ewig dauerte. Es geht nur dann schief, wenn jemand in der Reihe weit nach vorne springt: fünfzig Adressen durchklickt, die fünfzigste benutzt, und die dazwischen leer lässt. Bei der Wiederherstellung bleibt die Wallet dann nach zwanzig leeren stehen und meldet null — obwohl das Geld da ist.
Praktische Regel: Nimm die Adresse, die deine Wallet dir von selbst anbietet. Klick dich nicht durch die Liste nach vorne, um dir eine „schönere" auszusuchen. Was tun, wenn die Wallet trotzdem nichts anzeigt, steht in Bitcoin-Wallet zeigt kein Guthaben.
Was du dir merken solltest#
Drei Sätze reichen:
- Die neue Adresse ist normal. Nimm einfach die, die angeboten wird.
- Die alte bleibt gültig, unbegrenzt. Du musst niemandem etwas Neues schicken.
- Alles zusammen ist ein Guthaben.
Und wenn du eine Adresse irgendwo abtippst oder aus einer Nachricht kopierst: Ob sie in sich stimmig ist, sagt dir Adresse prüfen, bevor du sendest. Eine Überweisung an eine falsche, aber gültige Adresse lässt sich nicht zurückholen — siehe Falsche Adresse gesendet.