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16.09.2026 · 04:40 UTC
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BIP39-Wortliste: 2048 Wörter, und keines davon deutsch

· 4 Min. Lesezeit · aktualisiert am

Kurz gesagt

Die Wörter stammen aus der BIP39-Wortliste, einer öffentlichen Liste von genau 2048 englischen Wörtern, alphabetisch von „abandon" bis „zoo", drei bis acht Buchstaben lang. Eine offizielle deutsche Liste gibt es nicht: Der Standard führt zehn Sprachen, Deutsch ist keine davon. Deutschsprachige Wallets zeigen deshalb eine deutsche Oberfläche mit englischen Wörtern — das ist kein Fehler. Bei allen 2048 Wörtern sind die ersten vier Buchstaben eindeutig.

„abandon", „ability", „able", „about" — wer zum ersten Mal eine Wallet einrichtet, bekommt zwölf englische Wörter vorgesetzt und fragt sich zu Recht, wo die eigentlich herkommen. Und ob es das nicht auch auf Deutsch gibt.

Beides hat eine klare Antwort.

Eine Liste, die jede Wallet kennt#

Die Wörter sind nicht ausgedacht. Sie stammen aus einer öffentlichen Liste mit genau 2048 Einträgen, die seit 2013 in BIP 39 festgeschrieben ist. Daher der Name: BIP39-Wortliste, englisch BIP39 wordlist, im Deutschen auch Seed-Phrase-Wörterliste oder schlicht Wortliste. Gemeint ist immer dieselbe. Jede ernstzunehmende Wallet benutzt sie.

Genau darauf beruht die wichtigste Eigenschaft deiner Sicherung: Du kannst deine Wörter in die Wallet eines völlig anderen Herstellers eingeben und bekommst deine Coins zurück. Das funktioniert nur, weil alle dieselbe Liste lesen.

2048 ist dabei keine zufällige Zahl. Es ist zwei hoch elf — jedes Wort steht also für exakt elf Stellen einer Binärzahl.

Was in der Liste steht#

Nachgezählt in der Liste selbst:

MerkmalWert
Wörter insgesamt2048
Sortierungalphabetisch, von „abandon" bis „zoo"
Länge3 bis 8 Buchstaben
Häufigster Anfangsbuchstabes, mit 250 Wörtern
Kein einziges Wort beginnt mitx

Am Rand wird es dünn: Mit z gibt es nur vier Wörter — zebra, zero, zone, zoo. Mit y sechs, mit q acht. Die kürzesten haben drei Buchstaben (act, add, age, aim, air), die längsten acht (abstract, accident, acoustic).

Alles ist kleingeschrieben. Keine Umlaute, keine Akzente, keine Eigennamen, keine Mehrzahlformen. Das ist Absicht: Was man nicht eindeutig abschreiben kann, hat auf einer Sicherung nichts verloren.

Die Vier-Buchstaben-Regel#

Die nützlichste Eigenschaft der Liste sieht man ihr nicht an: Bei allen 2048 Wörtern sind die ersten vier Buchstaben eindeutig. Es gibt kein zweites Wort, das mit „aban" anfängt. Keine einzige Kollision in der ganzen Liste.

Daraus folgt zweierlei, und beides ist im Ernstfall Gold wert:

Wallets brauchen nur den Anfang. Bei der Wiederherstellung genügt es meist, vier Buchstaben zu tippen — den Rest ergänzt das Programm.

Ein verwaschenes Wort ist oft kein verlorenes Wort. Wenn auf deinem Zettel nur noch „quar…" lesbar ist, gibt es genau eine Möglichkeit: quarter. Deshalb prägen Metallsicherungen häufig auch nur vier Buchstaben je Wort ein — es geht dabei nichts verloren.

Seed Phrase auf Deutsch: die kurze Antwort#

Es gibt keine.

Der Standard führt offizielle Wortlisten in zehn Sprachen: Englisch, Japanisch, Koreanisch, Spanisch, Chinesisch in beiden Schreibweisen, Französisch, Italienisch, Tschechisch und Portugiesisch. Deutsch ist nicht dabei — und war es nie.

Wenn deine deutschsprachige Wallet dir also englische Wörter zeigt, ist das kein Übersetzungsfehler und keine Schlamperei. Es ist der Normalfall: deutsche Oberfläche, englische Wörter.

Praktisch ist das sogar der bequemere Zustand. Eine Sicherung, die überall auf der Welt in jede Wallet passt, ist mehr wert als eine, die sich in der Muttersprache besser liest.

Wenn deine Wörter trotzdem deutsch sind#

Dann stammen sie nicht aus dem üblichen Standard, und das solltest du wissen, solange die Wallet noch läuft.

Es gibt Programme, die mit eigenen oder inoffiziellen Listen arbeiten. Das ist nicht automatisch unseriös, hat aber eine unangenehme Folge: Deine Wörter passen dann nur in genau diese eine Wallet. Fällt der Hersteller aus, ändert er etwas oder findest du das Programm in zehn Jahren nicht mehr, hilft dir keine andere Wallet weiter — obwohl du deine Sicherung vollständig in der Hand hältst.

Prüfe das nicht theoretisch, sondern praktisch: Stelle die Wörter versuchsweise in einer zweiten, verbreiteten Wallet wieder her. Klappt es, ist alles in Ordnung. Klappt es nicht, hast du es zu einem Zeitpunkt erfahren, an dem du noch handeln kannst — nämlich indem du die Coins auf eine neue Wallet mit Standardwörtern überträgst.

Warum das letzte Wort nicht frei wählbar ist#

Ein Detail, das erklärt, warum man Wörter nicht einfach ersetzen kann.

Zwölf Wörter zu je elf Stellen ergeben 132 Stellen. Davon sind 128 der eigentliche Zufall, die letzten vier sind eine Prüfsumme. Bei vierundzwanzig Wörtern sind es 256 plus acht.

Das heißt: Nicht jede beliebige Kombination aus zwölf Wörtern der Liste ist eine gültige Seed Phrase. Das letzte Wort muss zu allen davor passen.

Praktisch ist das eine gute Nachricht — ein Tippfehler fällt der Wallet sofort auf, statt dich in eine leere Wallet zu führen. Es ist aber kein Freibrief: Die Prüfsumme merkt, dass etwas nicht stimmt, sie kann dir nicht sagen, was.

Wo du ein Wort sicher nachschlägst#

Am besten in deiner eigenen Wallet, ohne Internet. Der Wiederherstellungsbildschirm hat die Liste eingebaut und schlägt beim Tippen vor — das ist dieselbe Liste, nur auf deinem Gerät statt auf einer fremden Seite.

Ein einzelnes Wort irgendwo nachzuschlagen ist harmlos. Ein Wort aus 2048, ohne Position und ohne die anderen elf, sagt niemandem etwas.

Die ganze Folge in ein Eingabefeld zu tippen ist es nie — egal wie seriös die Seite aussieht und egal was sie zu prüfen verspricht. Warum es auf dieser Seite bewusst kein solches Werkzeug gibt, steht in Die Seed Phrase.

Der Satz zum Merken#

Die Liste ist öffentlich, deine Reihenfolge ist es nicht.

Wer alle 2048 Wörter kennt, weiß nichts über deine Coins. Wer deine zwölf in deiner Reihenfolge kennt, weiß alles.

Keine Anlageberatung. Dieser Text erklärt, wie etwas funktioniert — er sagt nicht, was du kaufen sollst. Alle Angaben ohne Gewähr.
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